• B.Hinrichs

Deshalb dauern Bauvorhaben in Braunschweig viel zu lange

Der unbedarfte Bürger wird sich oft fragen: Warum dauert es eigentlich so lange, bis nach der Entscheidung für ein Baugebiet wirklich angefangen wird zu bauen? Und warum kann man nicht viel mehr Baugebiete ausweisen, wenn man bereits heute weiß, dass die bisherigen Planungen nicht ausreichen?

Zwei Fragen, die ziemlich komplex in der Beantwortung sind, denn es gibt zahlreiche Faktoren, die dazu führen, dass von der Idee bis zum tatsächlichen Baubeginn lange Zeiträume vergehen.

Kürzlich war ja auch ein klassisches Beispiel in der Braunschweiger Zeitung (BZ 12.08.17 S. 21) zum Baugebiet an der Schölke zu lesen. Dort hat eine Bürgerinitiative wohl im Gespräch mit dem Investor etwas zu weitgehende und sehr stark individual-orientierte Forderungen gestellt, die auf ein Investor niemals eingehen kann und auch darf.

Das sind die Gründe für langes Bauen in Braunschweig

  1. Verwaltung und Investor werden sich nicht einig Bei dem Thema geht es häufig um wirtschaftliche Positionen oder um die Verwendung des relevanten Plangebiets. Die Verwaltung möchte vom Investor Zusagen für Infrastrukturmaßnahmen, wie z.B. Beteiligung an Kitas, Straßen, Freihalteflächen für Straßenbahnen oder Grünanlagen.

  2. Der Investor macht Fehler Die Gutachten zu Lärmschutz oder Umweltverträglichkeit werden oft dem Investor auferlegt. Sind darin Fehler enthalten, müssen sie neu erstellt werden.

  3. Der Investor findet keine Bauunternehmen zur Ausführung In Zeiten der Bauhochkonjunktur, sind Bauunternehmen und Handwerker Mangelware. Dadurch liegt der Vorlauf bis zum Baubeginn oft bei mehr als einem Jahr.

  4. Verwaltung macht Planungsfehler Fläche falsch berechnet? Freihaltefläche fehlt? Irgendwas vergessen? Eigene Gutachten enthalten Fehler.

  5. Bürgerinitiativen klagen gegen alles Bürgerinitiativen sind Vereinigungen von Bürgerinnen und Bürger, die grundsätzlich nur ihre eigenen individuellen Ziele verfolgen. Bei Baugebieten verfolgen sie oft nur das Ziel ein Baugebiet zu verhindern. Gemeinwohlinteressen spielen keine Rolle. Sie lösen sich nach Erledigung des ursprünglichen Problemthemas oft wieder auf, z.B. wenn das Baugebiet erstellt wurde.

  6. Umweltverbände klagen Feldhamster, blauflüglige Ödlandschnake oder Sauerrasen im Plangebiet? Alles Gründe, um ein Baugebiet zu verhindern oder dagegen zu klagen.

  7. Einzelne Nachbarn klagen Das Recht eines jeden Anliegers, seine Individualinteressen zu schützen.

  8. Kommunalpolitiker wollen bestimmte Punkte in den Planungen nicht Dann wird die Planung geändert und muss neu vorgelegt werden.

  9. Kommunalpolitiker glauben ein einmal aufgestelltes Planungskonzept für die Verwaltung sei unveränderbar (z.B. Wohnraumversorgungskonzept) Keine Flexibilität bei der Politik bedeutet Festhalten an alten Paradigmen, die sich vielleicht schon lange überholt haben. Dadurch kommt es zu Fehlplanungen und -einschätzungen.

Wenn sich bei all den Punkten auch noch Kombinationen daraus treffen, kann man sich leicht vorstellen, dass einige Planungen in Braunschweig jahrelang dauern, wie z.B. die Nachnutzung des alten Markthallengeländes. Zuerst sollte es Sporthalle werden, dann Wohnbebauung, doch passiert ist bisher nichts. Zahlreiche andere Beispiele könnten noch angeführt werden. Die CDU Braunschweig wird jedenfalls nicht müde das Thema Bauen und Wohnen in Braunschweig weiter positiv nach vorne zu bringen.

Fehlt noch etwas bei meiner Aufzählung oder habe ich etwas nicht richtig dargestelt? Schreiben Sie mir doch mal einen Kommentar.

#Planungsfehler